100 Jahre Stenografenverein - 100 Jahre Stenografie-Geschichte in Michelstadt.
(Festvortrag des damaligen Vorsitzenden Dieter Loos zum  100jährigen Bestehen des Vereins im Jahre 1998)

Wenn ein Verein wie der unsere nunmehr über 100 Jahre besteht, dann müssen Sinn und Zweck, die zu dieser Gründung führten, etwas Besonderes und die Personen, welche daran beteiligt waren, überzeugte Anhänger und Verfechter ihrer Sache gewesen sein. In unserem Falle war dies die Kurzschrift, zu der damaligen Zeit eine ganz besondere Kunst.

Versetzen wir uns in die Zeit um die Jahrhundertwende zurück. Geschrieben wurde fast nur mit der Hand, in Sütterlinschrift, langsam und schön. Kurzschrift-Systeme und die Schreibmaschine waren schon einige Zeit erfunden. Das Gabelsbergersche System war am stärksten verbreitet. Ein Lehrbuch dazu im Umfang von ca. 600 Seiten gab es schon seit 1834. Im Jahre 1864 hatte Peter Mitterhofer seine erste funktionierende Schreibmaschine gebaut und ab 1899 wurden diese auch in Deutschland hergestellt.

Man bezeichnete die Kurzschrift als Redezeichenkunst und deren Anhänger als "Kunstgenossen". Das Erlernen der Kurzschrift war damals ein besonderes Privileg und zu dieser Zeit einem gebildeten Personenkreis vorbehalten.

Aus dem Zeitungstext zur Vereinsgründung im Erbacher Kreisblatt vom November 1898 (der Originaltext ist in unserer Festschrift abgedruckt), geht hervor, dass sich zur Übernahme des Amtes des Ersten Vorsitzenden Professor Kornmesser bereit erklärt hatte, der zu diesem Zeitpunkt an der Oberrealschule in Michelstadt unterrichtete und der Kurzschrift eine so große Bedeutung beimaß, dass er sie bereits damals in dieser Schule lehrte. Auch Kammerstenograf Michael Winkler war bei der Gründung dabei, die der Stenografenverband Gabelsberger für Hessen und Nassau veranlasst hatte. Mitbegründer waren u. a. die Herren Gombert, Klein, Hieronymus und Mansfeld.

Die Verbreitung der Kurzschrift wurde von den damaligen Anhängern dieser Schreibkunst rasch vorangetrieben, dass selbst in damals kleinen Orten Vereine gegründet wurden. So existierte zeitweise auch in Steinbach ein Verein.

In den folgenden Jahren nach der Gründung wurde im Verein die Gabelsbergersche Redezeichenkunst gelehrt und verbreitet. Im Jahre 1901 besuchten 8 Teilnehmer einen Anfängerkurs, 1903 waren es bereits 14 Teilnehmer.

Im Jahre 1905 wurde ein neuer Vorstand gebildet, an dessen Spitze Rudolf Marburg stand. Im Anfängerkurs wurden 16 Personen unterrichtet, darunter erstmals 3 weibliche Teilnehmer.

1906 war bereits eine Lehrkraft für den Unterricht herangebildet. Karl Rahn war Unterrichtsleiter und hatte wieder 16 Teilnehmer im Anfängerkurs.

Aus alten Unterlagen des Bezirks Darmstadt konnten wir entnehmen, dass sich der Verein in diesem Jahre ebenfalls an dem Leistungsschreiben des Bezirks Darmstadt in Zwingenberg beteiligte.

1907 tauchen neue Namen im Vorstand auf: Friedrich Klein, Wilhelm und Jakob Eckart.

Aus den Folgejahren fehlen uns Aufzeichnungen über die Aktivitäten des Vereins. Möglicherweise wurde die Vereinsarbeit, aus welchen Gründen auch immer, vorübergehend eingestellt.

Am 15. Oktober 1911 wurde auf Veranlassung des damaligen Vorsitzenden des Kurzschriftbezirks Darmstadt in Michelstadt ein neuer Verein ins Leben gerufen. Es dürfte sich dabei wahrscheinlich um eine Wiederbelebung des alten Vereins gehandelt haben. Oder es gab möglicherweise kurzfristig sogar zwei Vereine.

Ab dem Jahre 1913 waren Rechtsanwalt Ferdinand Schäfer erster Vorsitzender und Heinrich Löw aus Steinbach Unterrichtsleiter. Der durchgeführte Anfängerkurs umfasste 31 Teilnehmer, darunter wieder 6 Mädchen.

Wirtschaft und Verwaltung hatten schon damals bald den Nutzen von Stenografie und Maschinenschreiben erkannt und das alte Berufsbild des Sekretärs am Stehpult wurde durch die Stenotypistin ersetzt.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 ruhte dann die Vereinstätigkeit wiederum für 2 Jahre.

1916 erfolgte daraufhin eine Wiedergründung des Vereins unter dem Namen "Stenografenkranz Gabelsberger 1916 Michelstadt". Vorsitzender war Otto Meyer.

Heinrich Naumann aus Langen-Brombach führte damals einen Anfängerkurs durch, dem auch unser späterer Vorsitzender Karl Dietz angehörte.

Ab diesem Zeitpunkt bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es keine Unterbrechung des Vereinslebens mehr. Unter den verschiedenen Vorständen erlebte der Verein eine stetige Aufwärtsentwicklung. Die fortschreitende Industrialisierung und wirtschaftliche Entwicklung machte die Kurzschrift mehr und mehr zu einer gesuchten Fertigkeit in allen Büro- und Verwaltungsberufen.

Mit der immer stärkeren Verbreitung der Kurzschrift erhielt auch die Vereinstätigkeit eine immer breitere Basis. Die Stenografenvereine waren eine gute Quelle, aus der man qualifizierte Kräfte für die Wirtschaft holen konnte.

Anfang der 20er Jahre wurde Karl Dietz Vorsitzender, Schriftführer war damals Heinrich Sattler.

1924 kaufte der Verein die erste Schreibmaschine, die Kosten dafür betrugen 250 Mark lt. Kassenbuch. In diesem Jahre erfolgte ebenfalls die Einführung der Deutschen Einheitskurzschrift. Damit war der jahrelange Systemkampf zwischen Gabelsberger und Stolze-Schrey beendet mit dem Ergebnis, dass damit einer noch stärkeren Verbreitung der Kurzschrift der Weg offen stand.

Das älteste Lehrbuch der Gabelsbergerschen Stenografie im Besitz unseres Vereins stammt aus dem Jahre 1918, das in Deutscher Einheitskurzschrift aus dem Jahre 1928. Verfasser dieses Buches war Michael Winkler, der – wie gesagt - schon 1898 bereits bei der Vereinsgründung mit dabei war und damals als Kammerstenograf und Lehrer für Kurzschrift an der Universität Heidelberg wirkte. Dies soll ebenfalls ein Hinweis darauf sein, welchen Stellenwert die Kurzschrift damals hatte.

1925 und 1926 wird Adam Wöber als Vorsitzender des Vereins genannt, der spätere Bürgermeister der Stadt Michelstadt.
1927 war Friedrich Nostadt Vorsitzender des Vereins.
1928 übernahm Heinrich Sattler den Vorsitz, der den Verein dann bis 1933 führte.

Am 5. und 6. Mai 1928 war der Michelstädter Verein Ausrichter des 23. Bezirkstag des Bezirks Darmstadt aus, an dem rund 500 Personen teilnahmen, die nach dem Leistungsschreiben in einem Festzug zum Stadion zogen. Der damalige Bürgermeister unserer Stadt und Ehrenvorsitzende des Vereins, Heinrich Ritzel, hielt dort eine zündende Festrede.

Im Jahre 1930 zählte der Verein 70 Mitglieder, Unterrichtsleiter waren Hans Schmucker und Ludwig Schnauber.

In dieser Zeit erreichten Mitglieder der Vereins hervorragende Leistungen unter den Wettschreibern. Wilhelm Geist erreichte eine Geschwindigkeit von 300 Silben in der Minute.

1933 erfolgte im Rahmen der NS-Zeit die Zusammenfassung der Vereine zur Deutschen Stenografenschaft. Vorsitzender war nunmehr Ludwig Schnauber; ab 1938 folgte Hans Schmucker. Der Kreisbeauftragte der Deutschen Stenografenschaft als Dachorganisation war Johann Stellwag aus Erbach.

Aber auch in diesen Jahren wurden die Aktivitäten des Vereins weitergeführt. Es wurden Kurse abgehalten, Leistungsschreiben durchgeführt und weiterhin junge Menschen in Kurzschrift ausgebildet.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges und in den folgenden Jahren mussten durch die Kriegsereignisse wiederum die Aktivitäten des Vereins wie bei fast allen Vereinen zwangsweise eingestellt werden.

Erst im September 1949 konnte eine Wiedergründung des Vereins erfolgen. Die bereits früher aktiven und der Kurzschrift verbundenen Vereinsmitglieder Karl Dietz, Hans Schmucker, Heinrich Fischer, Heinrich Sattler, Heinz Ihrig u. a. waren die Initiatoren. Zum Vorsitzenden des Vereins wurde Karl Dietz gewählt, der schon in den zwanziger Jahren Vorsitzender war.

Der Verein erhielt in Anlehnung an den Vorkriegsverein den Namen "Stenografenverein 1916 Michelstadt". Die ursprüngliche Vereinsgründung im Jahre 1898 war nicht mehr bekannt bzw. in Vergessenheit geraten.

Ab dem Jahre 1949 nahm der Verein wieder eine stetige Aufwärtsentwicklung. Stenografie und dazu später auch Maschinenschreiben waren mehr denn je gesuchte Fertigkeiten und die Leistungszeugnisse des Vereins waren bei Bewerbungen und beruflichem Fortkommen Dokumente, die oft maßgeblichen Einfluss dabei hatten.

In diesem Sinne hat die Vereinsarbeit wesentlich dazu beigetragen, den Mitgliedern bei ihrem beruflichen Fortkommen zu helfen. Insofern hat sie auch zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen.

Unterricht erteilten nun Hans Schmucker in Stenografie und Heinrich Fischer im Maschinenschreiben. Darüber hinaus waren als Unterrichts- und Übungsleiter Philipp Bauereiß, Karl-Heinz Arzt und Georg Wörlein tätig.

Im Jahre 1954 wies bei einem Besuch Kammerstenograf Michael Winkler darauf hin, dass er bereits bei der Vereinsgründung 1898 anwesend war. Als Bestätigung dieses Zeitpunktes erhielten wir noch eine Zeitungsnotiz aus dem Erbacher Kreisblatt vom November 1898, in der damals die Vereinsgründung in Michelstadt angekündigt wurde. Damit war die Grundlage geschaffen, den Vereinsnamen auf das Gründungsjahr „1898" zurückzuführen.

Karl Dietz führte den Verein bis 1957, danach stand Heinrich Sattler an der Vereinsspitze bis zum Jahre 1965. Karl-Heinz Arzt, Karl-Heinz Schwinn und Helmut Lechner führten die Vereinsgeschäfte als geschäftsführende Vorsitzende.

In den 50er und 60er Jahren erlebte der Verein seine größte Blütezeit. Es war die Zeit des Wirtschaftswunders nach dem Kriege. Die Kurse waren teilweise überfüllt. Es wurden Spitzenleistungen in Stenografie und im Maschinenschreiben erzielt. Als Beispiel sei Mathilde Appel genannt, die damals eine Geschwindigkeit von 360 Silben in der Minute erreichte.

Das Maschinenschreiben entwickelte sich kontinuierlich zu einem zweiten Standbein des Vereins. Es wurden nach und nach insgesamt 18 vereinseigene Schreibmaschinen angeschafft, um der Kursnachfrage gerecht werden zu können.

In dieser Zeit wurden sowohl in Stenografie als auch im Maschinenschreiben durchschnittlich 2 – 3 Kurse im Jahr durchgeführt, die jeweils sehr gut besucht waren. Darüber hinaus wurden in 3 bis 4 Gruppen Diktat- und Weiterbildungsunterricht je nach Schreibgeschwindigkeit erteilt und Trainingsstunden für Maschinenschreiben durchgeführt.

1963 wurde der Bezirkstag des Kurzschriftbezirkes Darmstadt in Michelstadt ausgerichtet. Die Bekanntgabe der Ergebnisse erfolgte dabei mit Musik und Tanz in der Odenwaldhalle. Es waren ca. 1000 Personen anwesend.

Ab 1966 übernahm Hans Schmucker den Vorsitz bis zum Jahre 1977. Er war in dieser Zeit der „Motor" des Vereins.

Als Übungs- bzw. Unterrichtsleiter waren in diesen Jahren Heinrich Fischer, Karl-Heinz Arzt, Helmut Lechner, Karl-Heinz Schwinn, Gisela Geppert und Dieter Loos tätig.

Im Jahre 1967 wurde der Verein aufgrund seiner Tätigkeit im Bereich der Volks- und Berufsbildung vom Finanzamt Michelstadt als gemeinnützig anerkannt und dürfte damit einer der ersten Vereine im Hessischen Stenografenverband gewesen sein.

Auch in den folgenden Jahren war die Vereinstätigkeit auf die qualifizierte Ausbildung von Stenografen und Maschinenschreibern ausgerichtet. Die große Zahl der Teilnehmer, welche die Kurse des Vereins seit der Wiedergründung bis heute besuchten, dürfte in Ihrer Gesamtzahl mehr als zweitausend betragen.

Die Einrichtung der Volkshochschulen nach dem Hessischen VHS-Gesetz tangierte ebenfalls auch den Verein. Überschneidungen im Unterrichtsbereich sollten im Interesse von Kursteilnehmern nicht erfolgen und so wurde im Jahre 1971 mit der Volkshochschule, der damalige Leiter war Herr Schöfer, vertraglich eine Kooperation vereinbart, nach der in Michelstadt nur durch den Verein Unterricht in Stenografie und auf der Schreibmaschine erteilt wird. Diese Kooperation erwies sich für alle Seiten als sehr fruchtbar. Auch heute besteht diese Zusammenarbeit immer noch auf derselben vertrauensvollen Basis.

1972 wurde der Schreibmaschinenunterricht von der Stadtschule in die damalige Kreisberufsschule verlegt, nachdem der Verein die Genehmigung erhalten hatte, den dort eingerichteten Maschinensaal mitzubenutzen.

Wenig später wurde aus organisatorischen Gründen auch der übrige Unterrichtsbetrieb dorthin verlegt. Die Zusammenarbeit mit der Leitung der Beruflichen Schulen war bis heute immer sehr vertrauensvoll.

1973 erteilten Unterricht bzw. waren als Übungsleiter tätig Karl-Heinz Arzt, Helmut Lechner, Albert Wiedey, Karl-Heinz Schwinn und Dieter Loos.

Zwischenzeitlich zeichnete sich eine neue Entwicklung ab. Die Erfindungen und technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Elektronik brachten neue Geräte auf den Markt, so auch preisgünstige und hochwertige Diktiergeräte. Phonotypie war eines der Schlagwörter.

War die Kurzschrift überflüssig geworden? Mit dieser Denkweise, die viel zu pauschal ist und leider auch von Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft vertreten wird, hat sie ihre Bedeutung als Kulturgut verloren. Dass sie dennoch in einigen Bereichen dringend gebraucht wird, zeigen heute die verzweifelten Bemühungen der Parlamente, geeignete Stenografen zu finden und die Hilferufe aus Kongressen nach versierten Protokollführern. Nicht zu sprechen von dem Nutzen, den sie als Notizschrift zum Konzipieren und Protokollieren hat.

Maschinenschreiben dagegen gehörte schon bald zur Standardausbildung für eine Bürotätigkeit und war nach wie vor sehr gefragt.

1978 übernahm Dieter Loos die Führung des Vereins, nachdem Hans Schmucker aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz abgab, aber weiterhin als Unterrichtsleiter den Verein unterstützte.

1979 sind die Übungs- und Unterrichtsleiter für die verschiedenen Bereiche Gisela Geppert, Maria Hockertz, Karl-Heinz Schwinn, Albert Wiedey und Helmut Lechner.

Und wiederum war die Elektronik auf dem Vormarsch. Anfang der 80er Jahre kamen die ersten Personal-Computer auf den Markt. Damals ahnten nur die wenigsten, welche Revolution diese Technik in den Büros und Verwaltungen nach sich ziehen würde und immer noch nach sich zieht.

Unser Verein beobachtete diese Entwicklung sehr genau und stellte sich rechtzeitig auch auf diese Veränderung ein. Ein wesentlicher Vorteil für den Verein war, dass der Vorsitzende bereits jahrelange Erfahrungen auf diesem Gebiet hatte und deshalb mit der Thematik vertraut war. Der Vorstand beschloss, auch hier rechtzeitig seine Aktivitäten wahrzunehmen.

1986 kaufte der Verein seinen ersten PC, der im übrigen immer noch funktionsfähig ist. 1987 wurde erstmals Unterricht in Textverarbeitung auf Personal-Computern erteilt. Zu dieser Zeit waren wir mit die Ersten, die im Gebiet des Hessischen Verbandes Kurse in Textverarbeitung auf PCs durchführten.

Zuerst standen uns dankenswerterweise die im Gymnasium vorhandenen PCs zur Verfügung und die dort durchgeführten Kurse in Textverarbeitung waren nur mit Wartelisten zu bewältigen, denn diese neue Schreibtechnik hielt schnell Einzug in den Büros und die Ausbildung in Textverarbeitung war für viele ein Muss für die zukünftige Tätigkeit.

Nachdem auch die Beruflichen Schulen mit PCs und modernen Programmen ausgestattet waren, wurde auch dieser Unterricht dorthin verlegt.

Unterricht erteilten in diesen und den folgenden Jahren Maria Hockertz, Gaby Hopfner-Heckmann, Karl-Heinz Schwinn, Helmut Lechner, Heinz Seitz, Dieter Loos.

Damit verfügte der Verein über 3 Standbeine: Stenografie, Maschinenschreiben und Textverarbeitung.

Die ursprüngliche Basis des Vereins, nämlich die Kurzschrift, verlor in den folgenden Jahren durch die fortschreitende Technisierung der Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung in dem Maße, wie sich auch die Berufsbilder der Beschäftigten in Büros und Verwaltungen änderten. Neue Berufsbilder entstanden, andere, wie zum Beispiel das der klassischen Stenotypistin und teilweise auch der Sekretärin, gibt es in dieser Form nicht mehr.

Stenografieanfängerkurse werden inzwischen gemeinsam von den Stenografenvereinen des Mümlingtales durchgeführt. Diktatunterricht wird immer noch in zwei Bereichen von uns erteilt.

Aber damit war die Anpassung an die PC-Welt im Verein noch nicht zu Ende. Im Jahre 1995 wurde auch der Schreibmaschinenunterricht auf Personalcomputer umgestellt und dabei ein spezielles Lernprogramm von Winklers Verlag mit eingesetzt. Diesen Unterricht übernahm Frau Marion Meyer.

Die Möglichkeiten des Internets wurden ab 1997 ebenfalls genutzt und das Vereinsprogramm dort im Rahmen der für den Odenwald bestehenden Informationsebene bekannt gemacht. Die Vereinsseiten findet man unter odenwald.de/steno-michelstadt.

1998 – im Jahr des Vereinsjubiläums – ist noch ein weiteres Angebot dazugekommen. Unter dem Namen „PC-Führerschein" wurde ein Einführungskurs über PC-Grundkenntnisse und Windows 95 als Betriebssystem aufgenommen, der ebenfalls sehr guten Zuspruch fand.

Gerade in den letzten 15 Jahren hat sich mehr denn je das Gesicht des Vereins verändert als Ergebnis der technischen Entwicklung und der veränderten Arbeitswelt.

Wenn man den Zeitraum von 100 Jahren Vereinsgeschichte betrachtet, so spiegelt sich darin sicher auch die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklung unseres Landes wieder und wir sind stolz und froh, dass alle Veränderungen seitens des Vereins mit Einsatz, Arbeit und Idealismus gemeistert werden konnten.

Vereine wie der Stenografenverein sind Einrichtungen, die sich zum Ziel gemacht haben, jungen Menschen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die sie sonst nur mühsam oder gar nicht erwerben können. Insofern erfüllt unser Verein eine wohl nicht zu unterschätzende soziale und gesellschaftspolitische Aufgabe, die letzten Endes dem Wohle der Allgemeinheit dient.

Wir hoffen und wünschen, dass die Arbeit des Vereins auch in Zukunft in diesem Sinne noch lange fortgeführt werden kann. Dies wollen wir mit Einsatz und Tatkraft weiter verfolgen.

STENOGRAFENVEREIN 1898 MICHELSTADT

Dieter Loos, Vorsitzender